Umhülle mich jetzt, magische Finsternis. Schwarze Wolken fallen ein, die in der Mitte einen Stern bilden. Es wird Nacht. Jetzt, Zauberstern, entehre deinen Glanz und strahl Gemeinheit ab und Häßlichkeit, wie sie mein rachetrunkner Sinn begehrt. Der Stern öffnet sich, man sieht das farbige Transparentbild des Harfenisten, mit seiner Harfe sitzend, an der Wand. Hahaha, willkommen, Fratzengesicht, dich ernenne ich zu ihrem Gemahl. Ein Wagen mit sechs Raben bespannt, statt den Laternen zwei Fackeln, erscheint. Durch die Lüfte fort, damit ich es schnell entführe, dies Werk einer hypochondrischen Stunde der Natur. Fliegt ab.

 

Vierzehnter Auftritt

Verwandlung.

Das Innere eines Bierhauses.

Verschiedene Gäste an Tischen. Der Schuster. Der Spengler. Ein Fremder. Der Wirt. Der Kellner. Seitwärts eine Kredenz mit Zimenten. Rückwärts hängt ein Kastel von schwarzem Papier, worauf transparent zu lesen ist: Heut spielt der berühmte Harfenist Nachtigall.

Kurze passende Musik zur Verwandlung.

 

CHOR.

Herrlich, prächtig, delikat

Sind die Speisen in der Tat,

Und der einzge Fehler ist,

Daß noch fehlt der Harfenist.

Sagt uns doch, Herr Wirt, einmal,

Wo bleibt denn der Nachtigall?

 

MEHRERE GÄSTE. Aber was ist denn das, Herr Wirt?

WIRT. Ich bitt Sie, meine Herren, sind S' nur nicht bös, daß der Harfenist noch nicht da ist. Mit den Menschen ists nicht zum Aushalten.

SCHUSTER. Wenn er nur nicht so grob wär mit den Gästen.

SPENGLER. Nein, das ist just recht, da hat man was z' lachen über ihn, er hat gute Einfälle, und so wahr!

SCHUSTER. Den Herrn hat er neulich ein Esel gheißen, das war ein guter Gedanken.

WIRT. Ja, es ist wahr, er ist der zweite Narrendattel, ich habe eine Menge Gäst wegen ihm, den Leuten gfallt seine Grobheit, aber er übernimmt sich, ich hab ihms schon gsagt, wie er noch wem beleidigt, muß er ausbleiben.

FREMDER. Ist das der Harfenist, der gestern gsungen hat? der kann ja gar nichts, da wird jetzt ein andrer kommen von Linz, den werden S' hören. He Kellner, eine Portion Schafköpfel.

KELLNER. Gleich, Euer Gnaden. Der Nachtigall kommt.

ALLE. Nu endlich einmal.

 

Fünfzehnter Auftritt

Vorige. Nachtigall, karikiert gekleidet, mit der Harfe, kommt.

 

NACHTIGALL.

Lied.

 

Nichts Schöners auf der ganzen Welt

Als wie ein Harfenist,

Wenn er nur seinen Gästen gfällt

Und allweil lustig ist.

Trinkt er sich auch ein Räuschel an,

Dann singt er erst recht frisch,

Und wenn er nimmer singen kann,

So fallt er untern Tisch.

 

Er hat nur für sein Harfen Gfühl,

Sie ist sein Weib sogar,

Die kann er schlagen, wie er will,

Die fahrt ihm nicht in d'Haar.

So singt er sich durchs Leben hin,

Einmal wird alles gar,

Und ist er tot, sagt man von ihm:

Er war ein guter Narr.

 

WIRT. Aber warum denn gar so spat, Herr Nachtigall?

NACHTIGALL.