Etwas weiter vorne rechts das Portal der Dorfkirche, die vom Dorfe abseits liegt, dessen letzte Hütten man links rückwärts noch gewahrt, von welchen über einen Bach ein breiter praktikabler Steg schief gegen den Vordergrund rechts führt. Links ganz vorne ein Baum, vor welchem eine Rasenbank. Morgendämmerung.

 

Erste Scene.

HELL während der Vorhang aufgeht, sieht man denselben über den Steg schreiten; er kommt gedankenvoll nach links – aufatmend. Waldeinsamkeit! Hier erwarte ich den Tag, hier ist es still und ruhig ringsumher, hier will ich mein Inneres durchblättern wie ein Buch, in dem man nach verbot'nen Stellen fahndet! ... Im Dorfe ist mir's schon zu lebendig, dort rüsten sie sich zu dem Ehrentage, dem Ehrentage der Brautleute und meinen, der den Schlußstein auf das lang schon wieder gewonnene Vertrauen der Gemeinde setzt. Wendet sich. Dort liegen die letzten Häuschen des Ortes im Morgengrau und jenes, vor dem ein Hügel Gerberlohe liegt, es ist das Wurzelsepps, aus ihm ist doch der alte Gerbersepp geworden. Kein Mißton quält mich mehr, ich habe wieder Herz und Hände frei. Gegen das Dorf. Da drinnen ist alles mit mir in Ordnung, Auf sein Herz. warum denn nicht auch hier? Was ist es denn, das in mir nun auch noch die Anerkennung meiner Obern fordert? Ehrsüchtig war ich sonst doch nie und dachte nie daran, erfüllte Pflicht mir lohnen zu lassen! Ein ander's ist's, ein böser Gast ist bei mir eingekehrt – der Zweifel! Den Keim dazu, den legten Briefe meines Gönners, des Propstes aus Rom, in denen er mir sanft abrät, die Wege zu verfolgen, die ich bisher ging – und vollends großgezogen wurde er, als ich es sehen mußte, daß eben jenen Anerkennung und Auszeichnung ward, die nicht meine Wege gingen. Der Propst, er schreibt: bald würde alles klar, denn neue Meilenzeiger würden jetzt zu Rom gesetzt – geh' ich denn in der Irre, ohne es zu wissen? Das alles paßt zu dem, was jener Finsterberg mir sagte; macht denn heutzutage Aberwitz uns klug? Schlimm, schlimm, wenn ich an mir selber zweifeln müßte, und schlimmer, müßte ich's an andern –! Da – da – angesichts des schweigenden Waldes und der starrenden Berge, Hell, mach es dir klar, ob je ein Schritt, den du gethan, verstoßen hat gegen heil'ge Satzung. – Diese Föhren, diese Berge, an deren Fuße du jetzt der Sonne wartest, sie waren ja schon einmal – – mondbeglänzt – die Zeugen jener Nacht, wo du vor dir selbst geflohen, wo du vor Schmerz verzagend dort in ihrem Schatten saßest – und – Böllerschuß. Echo in den Bergen. Musik. Tusch noch in der Ferne.

Richtet sich empor. Sie kommen – und die Berge haben geantwortet! Hochzeitsmarsch kommt immer näher. Sie gaben das Signal zurück: »Sie kommen!« Sie hallten's drängend siebenfach mir zu! Das heißt: laß die Bedenklichkeiten fahren; jetzt, wo du vor der That bei Tag und Nacht, zu jeder Stunde stehst, da sei bereit und lange zu, du darfst nicht auf den Lohn, den lahmen Boten, der immer hinter dem Geschehnen schreitet, warten, wenn du ihn wirklich dir verdienen willst, in einer Stund' der Rast mag er dich einholen und dir um so willkommner sein!

 

Zweite Scene.

Voriger. Der Hochzeitszug über den Steg. Voran die Musikanten, hinter ihnen Sepp mit einer Stange, worauf ein Blumenstrauß, dann Michel als Hochzeiter, zwischen zwei festlich geputzten Bauernburschen, Bauern hinterher, dann Annerl als Braut, zwischen zwei Kranzeljungfern, Bäuerinnen.

Der Zug geht über die Bühne von links nach rechts und macht dann Halt, Hüteschwenken und Tusch der Musik begrüßt den Pfarrer.

 

MICHEL holt Annerl aus der Mitte der Kranzeljungfern. Grüß Gott z' tausendmal, hochwürdiger Herr! Da sein wir, zwar rechtschaffen müd', aber munter wie die Fisch'! Die Annerl war seither bei meiner Mutter in Einöd und ich hab' s' auch von da her einholen müssen. Ich kann net viel Wort machen, aber du weißt's eh'nder, wieviel ich alleweil auf dich g'halten hab', ich war a wilder, narrischer Bursch, du hast mich z'rechtbracht, und von dein'm Segen derhoff' ich mir jetzt auch 's Beste!

ANNERL blickt zu Boden. 's is recht schön, daß d' Wort g'halten hast, hochwürdiger Herr!

MICHEL. Na, dös hat sich von eh'nder verstanden: dös war no net da, daß der Pfarrer von Kirchfeld a Wörtl g'sagt hätt', bei dem's net blieben wär' wie beim Amen im Gebet.

HELL. Ihr seid vor der Sonne da!

MICHEL. Wir hab'n dich net warten lassen wöll'n und wir haben's wohl denken können, daß du schon am Platz sein wirst.

HELL zu Annerl gewendet. Du siehst recht schmuck aus.

ANNERL blickt auf ihren Brautstaat, dann vertraulich. Dein goldig's Kreuzl mußt heut net bei mir suchen, Pfarr'. Auf die Kranzeljungfern deutend. Schau, die hab'n g'meint, ich soll's umnehmen und 'glaubt, es that dich beleidigen, wann ich's heut nit traget; aber nit wahr, ich hab' doch recht g'habt? Ich hab' mir denkt, es that sich net schicken.